Die Illusion des absoluten Zustands 🧐🙌🤑

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Die Illusion des absoluten Zustands

Hier kommt’s wieder, ein neuer Blogbeitrag zum Thema Zustand. Auch hier lernt man nie aus, und ziemlich schnell wird einem klar, dass auch die (sogenannten oder selbsternannten) Experten nur mit Wasser kochen. Eine Entwicklung zeichnet sich aber in den letzten Jahren ab: Die Zustandswerte verselbständigen sich immer mehr.

Kleine Grading Trivia

Was meine ich wohl damit? Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Als die ersten Comicsammler über Schneckenpost Suchlisten und Angebotslisten austauschten, wurde schnell klar, dass ein System her musste, an dem sich alle orientieren und so die Erhaltungszustände definieren konnten. Man nahm dazu das System von den Münzsammlern und identifizierte die Comics zunächst mit GOOD, FINE und MINT. Damit waren die 3 Urzustände definiert, die Sammler konnten Comics einordnen in gebraucht, gut erhalten und neu.

Mehr gab’s damals nicht, und auch die ersten Ausgaben des Overstreet Price Guide benutzten vor gut fünfzig Jahren dieses System. Die feineren Unterscheidungen kamen erst später, als den Sammlern die drei Richtwerte nicht mehr genügten. Und so entstand das heutige Bewertungssystem mit der Skala von 0.5 (POOR) bis 10.0 (GEM MINT). Dieses System wird auch von den Grading Instituten angewandt, allen voran CGC (Certified Guaranty Company), das seit dem Jahr 2000 Comics nach dem Zustand bewertet und zertifiziert.

Die Heiligkeit des Zustands

So, und jetzt sind wir da angelangt, wo ich eigentlich hin wollte. Heutzutage herrscht in der Comic Community ein regelrechter Grading-Wahn. Zertifizierte und eingeschweisste Comics sind heiss begehrt und erzielen oft ein Vielfaches von sogenannten «raw» Comics, die sozusagen «unbehandelt» sind. Das Zustangsbewerten wird Grading genannt, das Einschweissen in eine flache Acrylbox ist das sogenannten Slabbing. Plastic Tomb (Plastikgrab) hat einer meiner amerikanischen Händlerkollegen die eingeschweissten Comics genannt. Man kann das Heft dann nicht mehr lesen, bloss von vorne und hinten betrachten.

Das Problem bei den zertifizierten und eingeschweissten Comics besteht darin, dass der effektive Zustand des Hefts letztendlich zur Irrelevanz degradiert wird. Wichtig ist nur der Grade – also der Zustand, bzw. die Zahl – den das Comic bekommt. Wenn ein Incredible Hulk #181 mit dem Erstauftritt Wolverines eine 9.8 bekommt, wird es einen sagenhaften Preis erzielen, aber nicht wegen dem effektiven Zustand.

Die 9.8 macht’s aus! Dass das Heft aber unter Umständen von vielen Profis nicht als 9.8 gesehen wird, weil es zum Beispiel leichte Produktionsmängel aufweist, ist irrelevant. Da steht 9.8, also ist es für den Käufer und Verkäufer eine 9.8, also wird auch der Preis für eine 9.8 gezahlt!

Leider ist es Tatsache, dass CGC Produktionsmängel (schief geschnittenes Comic, Cover leicht versetzt gebunden, etc.) entweder gar nicht, oder nur minimal in die Zustandbewertung mit einbezieht. Gemäss den Richtlinien des Overstreet Grading Guide sind Produktionsmängel aber relevant und werden ein sonst absolutes Top-Heft immer abwerten. Aber auch die Experten bei CGC sind nur Menschen, und Grading ist nicht absolut!

Wenn Ihr Euch einen eingeschweissten Superzustand für gutes Geld leistet, vergewissert Euch, dass er optisch auch Euren Anforderungen genügt.

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